Über die IGF

Forschungsvereinigungen müssen für die Antragstellung im Rahmen der IGF autorisiert sein. Noch nicht autorisierte Forschungsvereinigungen können einen Antrag auf Autorisierung im Förderprogramm Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) stellen, wenn die Kriterien gemäß der Anlage Förderrichtline erfüllt sind.

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) ist ein europaweit einzigartiges, themenoffenes und vorwettbewerbliches Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), das kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einen einfachen Zugang zu praxisorientierter Forschung ermöglicht.

Eine Kurzdarstellung veranschaulicht den Prozess von der Idee bis zur Veröffentlichung des Forschungsergebnisses.

Hier finden Sie eine Übersicht aller IGF-Forschungsvereinigungen.

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Mit den Mitteln der IGF werden im transnationalen Netzwerk CORNET auch Projekte gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern durchgeführt ...

Geförderte Projekte

Im Rahmen des IGF-Kongresses wurde das IGF-Projekt des Jahres 2025 gewählt. Unter 23 Einreichungen hat der Wissenschaftliche Rat der IGF drei Finalisten nominiert. Das Gewinner-Team wurde durch das Publikum gewählt.

Ein kleiner Ausschnitt der bisher rund 12000 geförderten Projekte bietet einen Einblick in die Vielfalt der Forschungsthemen.

Die Projektdatenbank der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) umfasst rund 12000 abgeschlossene und laufende IGF-Vorhaben seit dem Jahr 1995 und wird regelmäßig aktualisiert.

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FAQ

ESD-Methoden bei integrierten SUIs – Prüfverfahren für die nächste Generation von Chipkarten

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Chipkarten sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie kommen als Bankkarten, Ausweisdokumente, Gesundheitskarten oder Zugangskarten zum Einsatz und müssen zuverlässig, sicher und langlebig funktionieren. Gleichzeitig entwickeln sich Smartcards technologisch weiter: Neben klassischen Chipkarten gewinnen Multifunktionskarten zunehmend an Bedeutung.

Diese neue Kartengeneration ist nicht mehr nur auf einen Chip und dessen Funktionen beschränkt. Sie integriert zusätzliche Smartcard User Interfaces, kurz SUIs, wie Displays oder biometrische Sensoren. Dadurch entstehen neue Anwendungsmöglichkeiten – aber auch neue Anforderungen an Sicherheit, Robustheit und Qualität.

Ein bislang noch nicht ausreichend untersuchter Risikofaktor sind elektrostatische Entladungen, kurz ESD (Electrostatic Discharge). Sie können im Alltag, bei der Nutzung der Karte oder bereits während der Herstellung auftreten. Gerade bei immer kleineren und empfindlicheren elektronischen Bauteilen können solche Entladungen die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen, zu Ausfällen führen oder die Produktionsqualität verringern.

Das Forschungsprojekt „ESD-Methoden bei integrierten SUIs“ setzte genau hier an. Ziel war es, realitätsnahe Prüfverfahren zu entwickeln, mit denen die Auswirkungen elektrostatischer Entladungen auf Chipkarten mit integrierten SUIs untersucht und bewertet werden können.

Die Herausforderung: Neue Funktionen, neue Risiken

Multifunktionskarten eröffnen neue Möglichkeiten für sichere, nutzerfreundliche und leistungsfähige Kartenanwendungen. Displays können Informationen direkt auf der Karte anzeigen, biometrische Sensoren zusätzliche Sicherheitsfunktionen ermöglichen. Der technische Aufbau solcher Karten ist jedoch deutlich komplexer als bei herkömmlichen Chipkarten.

Damit steigen auch die Anforderungen an Prüfung und Qualitätssicherung. Während es für klassische Chipkarten bereits etablierte ESD-Testmethoden gibt, lassen sich diese nicht ohne Weiteres auf Multifunktionskarten übertragen. Zusätzliche Bauteile wie Sensoren oder Displays, metallische Komponenten auf der Kartenoberfläche und neue Verbindungen zum Chipmodul können weitere Wege für elektrostatische Entladungen schaffen. 

Zwar werden Multifunktionskarten und integrierte Interfaces bereits in bestehenden Normen beschrieben. Konkrete Prüfmethoden für ESD-Belastungen sind darin jedoch bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Genau diese Lücke ist für die Praxis relevant: Ohne belastbare Prüfverfahren lässt sich nur schwer einschätzen, ob eine Karte den Belastungen im Herstellungsprozess und im späteren Einsatz zuverlässig standhält.

Das betrifft insbesondere KMU, die an der Entwicklung einzelner Komponenten, neuer Inlays oder an der finalen Montage solcher Karten beteiligt sind. Für sie können fehlende Prüfgrundlagen ein erhebliches Risiko darstellen, etwa wenn Ausfälle erst spät im Entwicklungsprozess, während der Produktion oder nach der Markteinführung sichtbar werden.

Die Lösung: Realitätsnahe ESD-Prüfverfahren entwickeln

Im Projekt wurden bestehende ESD-Testmethoden für herkömmliche Chipkarten als Ausgangspunkt genutzt und gezielt weiterentwickelt. Durch die systematische Variation von Prüfparametern und die Anpassung bestehender Prüfaufbauten sollten Verfahren entstehen, die besser auf Multifunktionskarten mit integrierten SUIs zugeschnitten sind.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie elektrostatische Entladungen möglichst realitätsnah simuliert und bewertet werden können. Dabei wurden nicht nur einzelne Komponenten betrachtet, sondern das Zusammenspiel aus Kartenaufbau, integrierten Schnittstellen, elektronischen Bauteilen und möglichen Entladewegen.

Auf dieser Grundlage sollte bewertet werden, wie sich elektrostatische Entladungen auf die Funktionsstabilität der Karten auswirken – sowohl im späteren Einsatz als auch während der Produktion. Denn ESD-Effekte können nicht nur zu Ausfällen im Feld führen, sondern auch die Produktionsausbeute und Qualität im Herstellungsprozess beeinflussen.

Die angepassten Prüfverfahren sollen es ermöglichen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, Kartenaufbauten zu verbessern und Risiken bei der Markteinführung neuer Multifunktionskarten zu reduzieren.

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Entwickelter Shunt-Widerstand zur Messung des Entladestroms ©Fogra Forschungsinstitut für Medientechnologien e.V.

Entwickelter ESD-Prüfplatz

Entwickelter ESD-Prüfplatz © Fogra Forschungsinstitut für Medientechnologien e. V.

 

Mehrwert für KMU

Für kleine und mittlere Unternehmen bietet die Entwicklung von Multifunktionskarten große Chancen. Viele KMU sind an der Entwicklung einzelner Komponenten, etwa biometrischer Sensoren, neuer Inlays oder spezieller Fertigungs- und Montageprozesse beteiligt. Gleichzeitig verfügen sie oft nicht über die Ressourcen, um umfangreiche Prüfmethoden eigenständig zu entwickeln.

Das Projekt schafft hierfür eine wichtige Grundlage: Mit den entwickelten ESD-Prüfverfahren können KMU die Funktionsstabilität von Chipkarten mit integrierten SUIs besser bewerten und mögliche Ausfallrisiken frühzeitig erkennen. Dadurch lassen sich Entwicklungsprozesse absichern, Qualitätsanforderungen gezielter erfüllen und Markteinführungen neuer Kartentechnologien besser vorbereiten.

Die Ergebnisse können außerdem dazu beitragen, Produktionsprozesse stabiler zu gestalten und Ausschuss durch ESD-bedingte Schäden zu reduzieren. Damit stärkt das Projekt insbesondere Unternehmen, die innovative Komponenten und Lösungen für die nächste Generation von Smartcards entwickeln oder fertigen.

Perspektiven

Mit der zunehmenden Integration zusätzlicher Funktionen werden Chipkarten komplexer, leistungsfähiger und vielseitiger. Damit solche Multifunktionskarten zuverlässig in den Markt gebracht werden können, braucht es Prüfmethoden, die den neuen technischen Anforderungen gerecht werden.

Das Projekt „ESD-Methoden bei integrierten SUIs“ leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Es schafft Grundlagen, um die Robustheit moderner Smartcards gegenüber elektrostatischen Entladungen besser zu bewerten und die Qualität neuer Kartenprodukte abzusichern. Langfristig können die Ergebnisse dazu beitragen, innovative Kartenanwendungen sicherer, zuverlässiger und wirtschaftlicher in die Praxis zu bringen – und insbesondere KMU bei der Entwicklung und Herstellung neuer Smartcard-Technologien zu unterstützen.

Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.

Förderkennzeichen:  01IF22933N

Laufzeit:  01.05.2023 bis 30.04.2025